Letztes Feedback

Meta



Gratis bloggen bei
myblog.de





 

Bruno Jonas am 28.10.2014 im Fürther Stadttheater

Furchtbar und gemein, dumm und anbiedernd!


Das sind die Adjektive, die mir eingefallen sind, als ich am 28.10.2014 im Stadttheater das neue Programm von Bruno Jonas sah. Das Bühnenbild war eine Bierbank in der Mitte, zur Linken eine Sokrates-Büste, zur Rechten ein Affenkopf, zwischen denen Herr Jonas sich intellektuell hin und her bewegen wollte.

In Wirklichkeit bewegte er sich zwischen ein paar Schwulenwitzen und dem Generalangriff auf Akademiker und ihren unverständlichen Gedanken.

Ohne Zweifel fand er sein Publikum. Ein Publikum in dem ich, mit meinen 38 Jahren, erheblich zur Senkung des Altersdurchschnitts beitrug.

Alles johlte und kreischte, als er die unverständlichen Worte seines Philosophie-Professors wiedergab. Es selbst gab sich als Geläuterter, der dies auch einmal studieren wollte und zur Erkenntnis der Sinnfreiheit gelangt war.

Er, am Boden geblieben, könne jetzt auch nur noch lachen über die unverständlichen Schachtelsätze der akademischen Welt. Am Boden geblieben? Oder zurückgekehrt in seine Heimat, der niederbayerischen konservativen Provinz? Gibt uns der Programmtitel „So samma mir – die Welt aus bayerischer Sicht“ darauf schon den entscheidenden Hinweis?

Am Ende noch der Tiefpunkt des Abends. Jonas stellte fest, dass in Amerika leicht, sehr leicht, geistig Behinderte kastriert worden seien und durchschnittlich 13 Jahre länger lebten. Dies sei doch bedenkenswert. Die Menge johlte!

Von intelligentem politischem Kabarett war diese Darbietung ungefähr so weit entfernt, wie eben der Affe von Sokrates.
Oder ist es etwa ganz anders?

Saß irgendwann der Altmeister des bayerischen politischen Kabaretts, dem Erwerbstriebe folgend, an seinem Schreibtisch um ein neues Programm zu schreiben und besah sich das erste Mal scharf sein Publikum.

Tat er seine Augen weit auf und erschrak, was da saß und immer an den falschen Stellen lachte.

Seine eigenen klugen Einsichten nicht mehr mitmachte und es mit dem provokativen Auftakt einer tieferen Einsicht eigentlich schon bewenden lassen wollte. Sah er plötzlich, dass keine angriffslustigen, intelligenten, jungen oder junggebliebenen Menschen mehr vor ihm saßen, sondern nur noch dumpfer, selbstzufriedener, dem Grabe entgegenwankender Mob.

Meinte er vielleicht, dass wenn schon keiner mehr an den richtigen Stellen lacht, wenigstens einer lachen sollte, nämlich er. Schrieb er dann die dümmsten, gröbsten und gemeinsten Plattitüden zusammen, enthielt sich jedes politischen Kommentars um innerlich verzweifelt über diese grinsen zu können.

Doch so will ich nicht denken! Denn lieber denke ich, dass da einer steht der zu dumpfer Plattheit verführt und das verführte Volk nicht mehr anders kann als äffisch zu lachen, als dass ein verzweifelter alter Mann, seinen Sokrates nur noch als Büste auf die Bühne bringen kann. Lieber ein zu dumpfer, zur Provinzialität herabgekommener, ehemaliger Mythos, als ein dummes, zur Großartigkeit nicht mehr fähiges, Volk und ein kluger Mann der aufgrund der Dummheit anderer nur noch zum versteckten, verzweifelten Selbst-Amusement fähig ist. Doch die Zugabe, welche die Masse forderte, gab mir zu denken. Jonas ließ die Menge den Gefangenenchor summen, erklärend, dass die Gefangenen voller Hoffnung auf Befreiung vom Joch sängen. Er selber gab die zweifelnden, vielleicht verzweifelnden, zweiten Geigen.

Ein Hinweis?

Nein, das will ich nicht denken – so denken wir doch alle, oder?

28.10.14 12:23

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen